Kommentare - Zivilgesellschaft.Berlin ../../../index.html Freiwilliges Engagement in der Stadt fördern Thu, 12 Aug 2021 16:01:36 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.1 Wenn nicht jetzt wann dann: Es ist Zeit für Aufbruch! Carola Schaaf-Derichs kommentiert ../../../zeit-fuer-aufbruch/ Mon, 21 Jun 2021 18:00:56 +0000 ../../../index.html

Krisenzeiten bewirken immer wieder janusköpfige Perspektiven: Was wurde verloren, was ging unter, Coronazeitwen vermissen wir? Von beruflich wie ehrenamtlich Betroffenen der Coronakrise ist hier eine durchaus einschneidende, schmerzende Bilanz und ihre Wunden zu erfahren. Das gilt für Menschen wie für Institutionen: für all die im Gesundheits- wie Rettungswesen hochengagiert in tragender Verantwortung Aktiven genauso wie die vielen freiwillig und ehrenamtlich Tätigen unseres Gemeinwesens, aber nicht nur sie.

Andererseits haben erstaunlich viele Menschen zu neuem Wagemut, zu persönlichem Veränderungswillen, zu mehr Selbstvertrauen und auch Zutrauen in die Gesamtgesellschaft, ja zu Hilfsbereitschaft und Fairnessempfinden in diesem Verhältnis gefunden. Es sind SOEPmehr denn vor der Krise, wie neue Daten zeigen. Dies ist das Ergebnis des sozioökonomischen Panels1, vorgestellt von Prof. Dr. Stefan Liebig2 im Interview mit DIE ZEIT3, und es sind erstaunliche Zahlen: so stieg das Vertrauen in andere in dieser jährlichen Befragung von 68% vor der Pandemie auf 78 % im Januar 2021.

Dieser Sommer: Zeit zum Aufatmen, Kraftschöpfen – und ein Zeitfenster für dringende neue Verabredungen …

Als Erklärung weist er auf das Zusammenrücken der Menschen hin, was mehr sei als die Pandemie als Not zu erleben. Allerdings sind die Werte auch abhängig vom Lebensalter der Befragten, so Liebig: bei den Jüngeren sei das Vertrauen in andere stark gesunken. Sie empfänden sich als die doppelten Verlierer der Krise, da sie zuletzt für die schützenden Impfungen berücksichtigt werden aber zuerst die meisten Verzichte und Verluste in Schule, Berufsbildung, Studium und in der sozial so wichtigen Freizeit auszuhalten hatten. Die Gesamtbilanz ist also tief gespalten. Und somit auch die Erfahrungswelten der Einzelnen.

Aktuell stellt sich daher die Frage: stehen wir perspektivisch bereits nach dem „Peak“ der Pandemie, somit in einer „Erholungs-Phase“? Können wir so betrachtet die Chance momentan am meisten nutzen, Dinge besser zu machen, aus den Krisenzeiten und ‑erfahrungen zu lernen? Selbst wenn noch nicht, so scheint doch gerade dieser Sommer eine Zeit des inneren Aufatmens und des Kraft Schöpfens, ja ein Zeitfenster für die dringenden neuen Verabredungen und „Learnings“ zu sein. Wir sollten es nutzen!

Mitgliederversammlung des Landesnetzwerks fordert in einem Berliner Appell mehr Vereinbarungstreue

Das hat das Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin in seiner 57. Mitgliederversammlung am 16.06.20214 getan, indem es die vom Sprecher:innenrat vorgelegten “TOP 5”, also die fünf Schwerpunktthemen für seine siebte Legislatur verabschiedet hat:

Landesnetzwerk➔ Engagementpolitik, Partizipation bei Umsetzung der Berliner Engagementstrategie 2020 – 2025
➔ Inklusive Gesellschaft!
➔ Strukturelle Folgen der Corona-Pandemie aufarbeiten
➔ Fachkreis Zivilgesellschaftsforschung, Kooperation mit Hochschulen
➔ Netzwerkentwicklung mit Wirkung für die Mitglieder, Lobbyarbeit, aktive Beteiligung.

Sprecherrat Daniel Büchel sagte einleitend: „Nach dem Soziologen Heinz Bude ´müssen wir zurückkehren zu einem Zustand, in dem wir noch nie waren´5. Weg von einer Notfallwirklichkeit (Holger Krimmer6) hin zu einer neuen Form der Normalität zwischen Staatsbedürftigkeit und Staatsskepsis.“

Die MV bekräftigte vor allem ihren Wunsch nach mehr Stringenz in der Umsetzung der Vereinbarungen, insbesondere der Engagementstrategie. Sie beschloss einen “Berliner Appell“7, der die staatlichen Akteur:innen an diese Vereinbarungen im Sinne guten Regierens dringend erinnern möge.

Denn wenn nicht jetzt wann dann: Es ist Zeit für Aufbruch!

Editorial von Carola Schaaf-Derichs im
Newsletter #8 der Landesfreiwilligenagentur Berlin

Engagementpolitik(en) | Coronadiskurse | Kommentare
aktualisiert 27.06.2021

 

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Verlieren wir unser soziales Kapital? Carola Schaaf-Derichs kommentiert aktuell ../../../verlieren-wir-unser-soziales-kapital/ Tue, 10 Nov 2020 17:00:58 +0000 ../../../index.html

Corona und kein Ende – viele Menschen gehen derzeit in eine andere innere Verfassung über, Coronazeitweil das Licht am Ende des Tunnels einer unwägbaren Pandemieerfahrung nicht in Sicht kommt, im Gegenteil. Was machen diese tagtäglichen Eindrücke des social distancing mit uns, wie reagieren die Engagierten auf diese Belastungen, wie die Menschen, deren Leben schon vor der Pandemie nicht einfach war und die unter Druck geraten, wirtschaftlich, familiär, sozial und individuell?

Was macht derzeit das Leben in einer „pulsierenden Großstadt“ aus, wenn der Puls in ungeahnte Tiefststände abrutscht? Wenn das öffentliche Leben und der persönliche Austausch zwischen den vielen interessierten und interessanten Menschen in Berlin nicht mehr Attraktionspunkt und Highlight, sondern vielmehr gemieden und immer mehr eingeschränkt respektive digitalisiert werden muss? Was können, was müssen wir jetzt als Agenda für eine solidarische Gesellschaft setzen?

Soziales Kapital droht zu schwinden

Die “reduzierte Stadt“, wie Kai Müller im Tagesspiegel vom 24. Oktober1 titelt, läßt das soziale Kapital schwinden, so äußert er seine Beobachtungen. Das besondere Maß an Begegnung mit Fremden und der Diskurs über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, was gerade die Polis schon in der Antike ausgemacht und unsere Zivilisation geprägt hat, ist in Gefahr zu schwinden. „Die Ausgestaltung der Zukunft, die nicht wirklich planbar ist, lebt von dem Diskurs, der über sie entsteht“ so folgert Müller. Und er macht eindringlich darauf aufmerksam, dass die „…Stadt (…) nur noch Kulisse eines sozialen Zusammenhalts, der sich im Internet organisiert“ werden könnte.

Was wir für unsere Zukunftskonstruktion – und somit auch für eine Perspektive in der Krise – brauchen, sind Begegnungen inklusive des Bewusstseins der Differenz sowie das Vertrauen, das gerade auch aus dem Aufeinandertreffen von Fremden entsteht. Dies sind wesentliche Merkmale für Demokratie, sagt Talja Blokland, Direktorin des Georg Simmel Zentrums für Metropolenforschung an der Humboldt Universität von Berlin, die mehrere Studien in diesem Gebiet unternommen hat.2

Sprechfähig werden und Vertretungsmacht bilden

Auch in der Untersuchung des MAECENATA Instituts zur Nutzung der Rettungsschirme im Dritten Sektor3 wird auf die besondere Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Sektors in der Krise hingewiesen. Zum Handlungsrahmen der Zivilgesellschaft folgert diese Studie:

“1. Die Zivilgesellschaft selbst muss lernen, ihre Potenziale, Herausforderungen und Bedarfe offensiver und stringenter darzustellen und an die Politik zu kommunizieren. Deshalb sollte der bisher nicht verbandlich verfasste Teil der Zivilgesellschaft erwägen, verstärkt Zusammenschlüsse oder Koalitionen zu bilden, um sprechfähige und mit Vertretungsmacht aus-gestattete Gesprächspartner und ‑partnerinnen gegenüber staatlichen Stellen zu haben. (…)
5. Die gesellschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind bei weitem noch nicht in vollem Umfang absehbar. Aber klar ist schon heute, dass es eine Rückkehr zum status quo ante nicht geben wird. Dies betrifft auch die Zivilgesellschaft, die es nun zu unterstützen gilt.”

Wir finden diesen Blick auf die aktuelle Situation zutreffend als auch herausfordernd im positiven Sinne! Unsere Agenda haben wir bereits mit Zukunfts- und Selbstverantwortungsthemen gut gefüllt! Was es jetzt braucht, ist den Mut, Neues zu wagen und trotzdem das Wichtigste zu wahren und zu beleben, was uns trägt: unsere gute Vernetzung und unseren Austausch und Diskurs!

Editorial von Carola Schaaf-Derichs im
Newsletter #6 der Landesfreiwilligenagentur Berlin

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aktualisiert 26.06.2021

 

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